TT Samstag 18.02.12
42 Kilometer aus dem Biwak zurück ins Stadion
6.30 aufstehen - um 9 Uhr wird aus dem Biwak gestartet. Wehmütig sehe ich dem letzten Tag entgegen. Luft aus der Isomatte lassen. Versuche mit meiner ledierten Hand den Schlafsack in seinen Sack zu stopfen. Schuhe anziehen. Meine Fresse, was tut mir die Hand weh. Reißverschluß auf. Alle Grönis gucken mich verschlafen an. So, jetzt Wasser warm machen. Hunde wässern. Zelt abbauen und verstauen. Handy klingelt und Angela fragt mich, ob ich Kaffee gebracht haben will. Tolle Idee, hatte ich gar nicht dran gedacht. Die Grönis sind topfit. Als ich rüber schaue zu meiner Freundin, sehe ich keinen Hund draußen. Entweder ist sie zum Frühspaziergang aufgebrochen oder ... ich glaube, sie schläft noch.
Kurze Zeit später sehe ich sie aus dem Zelt kriechen. Ihre Hunde machen keinen motivierten Eindruck.
Ich stehe an einer ungünstigen Stelle. Die vor mir ins Biwak gekommen sind werden alle auch wieder vor mir aus dem Biwak raus fahren. Alle an meinen Grönis vorbei.
9 Uhr. Es geht los. In 1 bis 2 Minutentakten gehen die Gespanne auf die Strecke. Die Grönis sind kaum zu halten. Sie wollen unbedingt auch los. Meine Freundin mit ihren drei Huskys startet nach Michael Loullier und vor mir. Mein Gedanke: Hoffentlich kann ich sie möglichst früh überholen. Dann haben die Grönis noch viel Power und werden weiter Gas geben. Jetzt kommen wir an die Reihe. Der Helfer zählt neben den Huden runter. 3 - 2 - 1 - los! Der Schlitten bewegt sich mit einer unglaublichen Wucht nach vorne. Sie hatten soo lange gewartet bis sie endlich los rennen konnten. Aus dem Biwak raus überhole ich das Huskygirl nach ca. 1,5 Kilometer. Ihre Hunde lösten sich gerade. Danach rechts in eine Spitzkehre und bergauf. Aber wie. Jetzt laufen. Volle Pulle. Blos weg hier. Keine Zeit, nach hinten zu schauen. Laufe laufe ... blos zügig weiter. Oben angekommen drehe ich mich um. Kein Gespann zu sehen. Welch ein Glück. Wir fahren weiter und überholen ein Malamutenteam aus Österreich. Beim überholen, keine Probleme. Die Grönis bleiben ganz ruhig. Meine Anspannung hat sich gelöst. Nun fahre ich seitlich ins Stadion hiein. C.K. kommentiert: Aah, guck mal. Rolf kommt.
Ich muß lachen und freu mich. Jetzt noch 40 Kilometer und wir habens geschafft. Lange Zeit fahre ich allein. Genieße die Ruhe. Die Grönis finden endlich ihren Rythmus. Keine Überholmanöver mehr. Ungefähr auf der Hälfte der Strecke holen wir Loullier ein. Er war gerade am snaken, als er mich sah. Zu spät für ihn. Ich überholte ihn. Hinter mir kamen die ersten großen Huskygespanne. Sie zogen an uns vorbei. Nun überholt mich Loullier zurück. Nur dran bleiben, denke ich. Dann könnte ich eventuell am letzten Tag schneller fahren als er. Wir fahren lange Zeit zusammen. Ich denke, irgendwann muß ich Andy mit seinen Samojeden sehen. Dann ist es soweit. Die Grönis ziehen an. Es ist nichts zu sehen. Hinter einer Linkskurve steht Andy. Er hatte geankert. Wenn Samojeden stehe, fangen sie augenblicklich an zu bellen. Loulliers Grönis ziehen souverän an den Samojeden vorbei. Wir überholen sie auch. Aber mein Team ist sehr abgelenkt. Loullier fährt mir ungefähr 50 Meter weg. Dann fange ich an zu kämpfen. Loullier dreht sich um und feuert meine Hunde an. Nach einem Kilometer fahren wir wieder ohne die weißen Schlittenhunde weiter. Jetzt nur keinen Fehler machen und dran bleiben. Ein Tourenfahrer kommt von rechts. Er kreuzt unsere Strecke mit seinen 8 Huskys. Loullier überholt ihn. Ich warte ab. Der Huskymusher stopt und läßt mich vorbei. Unglaublich, 8 Huskys überholt. Die grönis ziehen weiter. Loullier warnt mich. Pferdekutsche von links. Alles gut. Die Grönis haben nur die Nase in den Wind gehalten. Jetz kommt eine Spitzkehre rechts. Gestern bin ich an dieser Stelle geradeaus ins Biwak gefahren. Die Jungs wollen heute auch wieder zum Zeltplatz zurück. Anker setzen. Hunde rum führen. Loullier ist weg. Sch.... .
Ab jetzt geht es nur noch bergab. Ich rufe dem Huskymusher zu: Komm vorbei! Berg runter bist Du eh schneller.
Er überholt mich. Das war ein Fehler. Ich hätte weiter fahren sollen. Die Huskys sind müde. Aber egal. Wir haben noch ca 1 Kilometer bis ins Ziel. Ich ruf ihm zu: Gib Gas! Komm, noch einmal!
Er versucht, seine Hunde anzufeuern. Wir sind im Stadion. Ziel! Alles um uns herum jubelt. Ich habe nach 256 Kilometern mit meinen Grönis Tränen in den Augen. Mir wird Tee gereicht. Aber ich kann ihn nicht annehmen. Stecke meinen Kopf zwischen mein Team und bin glücklich wie vielleicht noch nie in meinem Leben.

Zu zweit auf dem Schlitten zurück zum Stakeout. Alle Hunde bekommen einen Lachs. Habe das Gefühl, heute schneller als der Franzose gewesen zu sein. Man, war das geil im Biwak. Nächstes Mal, wenn das Wetter mit spielt werde ich ohne Zelt zwischen den Hunden schlafen. Habe das Gefühl, bin eins mit den Grönis.

Schluß der vielen Worte. Letzter Tag: 42 Kilometer in 3 Stunden, 33 Minuten und 10 Sekunden. Der Franzose: 3 Stunden, 35 Minuten und 34 Sekunden. Wie wohl meine Zeiten gewesen wären, wenn ich nicht den Ärger mit dem Huskygirl gehabt hätte.

Gehe in den Wohnwagen und adiere die Strecken der einzelnen Hunde.
Kyrill: 147 Kilometer - sehr sicher und komandostark, zickte ein wenig - vielleicht hat sie wirklich aufgenommen, eine Kämpferin!
Nuka: 149 Kilometer - unwahrscheinlich schneller Leader, Bergauf zuverlässiger Wheeler
Smoke: 191 Kilometer - sehr sicherer Leader, leider fängt er nun das markieren auf der Strecke an
Socke: 256 Kilometer - sehr guter Wheeler, aber auch als Leader macht er seine Arbeit gut
Ice: 256 Kilometer - mein bester Hund in diesem Rennen. Ein Top Wheeler und auch im Lead hat er unheimlich Dampf gegeben.

Abends gehen wir mit der ganzen Truppe zur Festhalle. Feierliche Reden werden von dem Orgateam gehalten. Geschenke werden an die Organisatoren überreicht. Die Urkunden werden ausgehändigt. Auch ich bedanke mich nun für die hervorragende Strecke.

Nun wird tüchtig und lecker getafelt und getrunken. Bevor wir gehen wollen steht das gesamte französiche Team an unserem Tisch und verabschiedet sich. Zwinkernd bemerkt Chomette zu Angela dass wir tolle Hunde haben und der Musher sei auch nicht schlecht. Wir bedanken uns bei den Franzosen und verabreden, in Kontakt zu bleiben. Es werden Adresskarten ausgetauscht. Michael Loullier und ich geben uns einen festen Händedruck.

Das wars.
Rolf

Ich hoffe, ein paar von Euch bei der nächsten Trans Thüringia zu sehen !

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